| Hazrat Inayat Khan (1882-1927) ist ein indischer Musiker und Mystiker. Er verließ 1910 gemeinsam mit seinen Brüdern Muhammed Ali Khan, Maheboob Khan und Musharraf Khan Indien, um die westliche Welt kennen zu lernen. Gleichzeitig wollte er die indische Musik und Mystik in der westlichen Welt bekannt machen. Alle vier Brüder hatten an der von ihrem Großvater Mawlabakhsh gegründeten Musikakademie namens Gayanshala studiert. Hazrat Inayat Khan und Maheboob Khan waren dort sogar nach ihrem Studium als Dozenten tätig gewesen. Während ihrer Ausbildung hatten sie sowohl die klassisch-indische als auch die klassisch-westliche Musik kennen gelernt. Hazrat Inayat Khan und seine Brüder kamen aus einer traditionellen muslimisch-indischen Familie, jedoch waren sie sehr offen für die Errungenschaften der westlichen Welt. Sie wussten, dass es keinen Sinn macht, sich gänzlich gegen die Moderne zu widersetzen. Vielmehr suchten sie nach einem Weg der Versöhnung von Altem und Neuem. Hazrat Inayat Khan und seine Brüder bereisten zwischen 1910 und 1926 die USA, England, Holland, Belgien, Skandinavien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Russland, Italien und die Schweiz. In den ersten Jahren ihrer Reise gaben sie noch Konzerte, während sie später nur noch für private Zwecke musizierten. Hazrat Inayat Khan gab den Wunsch, die indische Musik dem westlichen Hörer näher zu bringen, auf, weil er einsehen musste, dass diese hochkultivierte Musik nur sehr wenig verstanden wurde. Auf mehr Interesse stieß er mit seinen Vorträgen über den Sufismus. Schon bald hatte er viele interessierte Studenten in allen Ländern die er bereist hatte. Hazrat Inayat Khan war von seinem Sufi-Meister Sayyid Abu Hashim Madani in die Lehre der vier großen, in Indien am weitesten verbreiteten Sufitraditionen, nämlich der Chishtiyya, Qadiriyya, Naqshibandiyya und Suhrawardiyya, eingeweiht worden. Als Hazrat Inayat Khan in den Westen kam, bemerkte er, dass es unmöglich sein würde, diese Lehre in ihrer traditionellen Form den modernen Menschen zu vermitteln. So entwickelte er allmählich einen eigenen, den Verhältnissen der Moderne angemessenen, Sufiweg, wobei er es stets vermied, eine endgültige Systematik oder dogmenartige Lehre zu formulieren. |
