Sehenswerte Filme

Dunia - Liebe, Sinnlichkeit und Freiheit
Jocelyne Saab – Ägypten – 2006 – 112 Minuten


Mit ihrem einfühlsamen Spielfilm Dunia schafft es die gebürtige Libanesin Jocelyne Saab, Begriffen wie Liebe oder Sinnlichkeit ein Gesicht zu geben, Bilder, Rhythmen und Stimmungen. Und deutlich zu machen, dass Liebe etwas ist, was man suchen und anstreben kann - und leben muss. Wenn man in gar nichts verliebt ist, hat der Tunesier Nacer Khemir einmal gesagt, dann fehlt dem Leben das Ziel und damit natürlich auch das, was man Sinn nennen mag.
Nach Abschluss ihrer Literaturstudien im pulsierenden Kairo möchte Dunia Tänzerin werden, wie ihre Mutter es war. Gleichzeitig ist die attraktive junge Frau fasziniert vom Sufismus und seiner Poesie. Was Liebe und Zärtlichkeit bedeuten können, erfährt Dunia, als sie mit dem Schriftsteller Beshir das Vergnügen der Sinne kennenlernt und erlebt, wie eng dieses mit dem Vergnügen der Worte verknüpft ist. Intime Träume und sinnliche Zitate aus der Literatur klingen in Jocelyne Saabs traumwandlerisch zartem Film an und erzählen von einem Ägypten, das auf halbem Weg nach den ersehnten Idealen steckt. Und von einer Frau, die behutsam zu sich selber finden will und eine Wunde der Kindheit zu überwinden sucht, die nicht nur eine Wunde des Körpers ist. Eine Entdeckung und ein in mancherlei Hinsicht hochaktueller Film.
Die junge Frau will zu sich selber finden; sie muss in erster Linie auch zu ihrem Körper finden und mit einer Verletzung fertig werden, die sie als Mädchen erfahren hat. Sie will tanzen, will ihren Körper in der Bewegung im Raum beherrschen lernen. «Das dominante Thema des Films ist das Verlangen, die Lust», meint die Autorin. Ihr Film erzähle die Geschichte einer jungen Frau, die ihre eigene Lust nicht ausleben könne. «Sie sucht mit allen Sinnen, in der Poesie, im Tanz, in der Musik, bei ihren Freundinnen und deren Erfahrungen.» Dunia sei eine Initiationsreise «und zwar so weit, bis die Protagonistin sich ihren eigenen Tabus stellt.»

Ulak - Der Bote
Cagan Irmak – Türkei – 2008 – 107 Minuten


Zekeriya, ein imposanter und majestätisch anmutender Wanderer, zieht von Dorf zu Dorf, um eine Geschichte zu erzählen, und sie somit vor der Vergessenheit zu bewahren. Eine Geschichte, die ihn seinerzeit betäubte und ihm die Sprache verschlug. Die Geschichte eines Mannes, der die Welt mit anderen Augen sah und das Gehörte anders wahrnahm. Es ist die Geschichte von Ulak Ibrahim.
Eines Tages kommt Zekeriya in ein neues Dorf. Dieses Dorf scheint die ganze Schuld der Welt zu vereinen. Frauen, die wegen ihrer Kinderlosigkeit verachtet werden, Mütter, die ihre eigenen Töchter verkaufen, Väter, die ihre Söhne erniedrigen, Liebende, die nicht zueinander finden dürfen. Die Herzen der Dorfbewohner sind verdunkelt, die Lippen schweigen, die Augen sehen weg. Leid bestimmt das Leben der Menschen dort.
Mit der Ankunft Zekeriyas versammelt sich dieses ganze Dorf in einem Märchen, das durch die Fenster der Häuser und in die Herzen der Kinder dringt. Mit dem Märchen beginnen die Dinge sich zu ändern. Die Ängste in den Herzen der Menschen weicht mit dem Märchen davon, und ein neuer Mut macht sich breit in der Dunkelheit. Wahrheit siegt gegen das Schweigen. Märchen werden Wirklichkeit, wenn man nur an sie glaubt und die Wirklichkeit ist nicht mehr erschreckend, wenn man sie kennt.

Irina Tweedie
Georg Eich – Deutschland – 1998 – 151 Minuten


Irina Tweedie – Momente mit einer wunderbaren Frau. Irina Tweedie war 52 Jahre alt, als sie 1959 nach Indien reiste. Auf geheimnisvolle Weise führte sie diese Fahrt zu einem Sufi-Meister, der sie sogleich auf eine andere Reise schickte, nämlich jene ins „Herz der Herzen“! So lernte sie den Sufi-Pfad der Verwirklichung kennen, den sie später selbst zahllose Menschen lehrte. Der Filmemacher Georg Eich konnte Irina Tweedie in den Jahren 1988 bis 1990 immer wieder mit der Kamera begleiten. Aus diesem Material, das in ihrem Haus und Garten in London und bei diversen Suficamps in Deutschland und in der Schweiz gedreht wurde, hat der Filmemacher nunmehr zweieinhalb Stunden extrahiert und veröffentlicht. Georg Eich schreibt: „Im Laufe der Jahre hatte ich das Glück, einigen spirituellen Lehrern zu begegnen. Doch Frau Tweedie hatte etwas Besonderes. Ihre bescheidene, authentische Art begeisterte die Menschen. Sie vermittelte bis ins hohe Alter, dass das Leben ein großes Abenteuer ist und dass Lernen und Erkennen nie aufhören. Ich habe sie vor allen Dingen als einen Menschen kennen gelernt, der andere Menschen mit Ausdauer und grenzenloser Liebe unterstützen konnte. Möge der Film dieser außergewöhnlichen Frau gerecht werden.

Quantum Activist – Über die Wissenschaft zu Gott
Prof. Dr. Phil. Amit Goswami – USA – 2009 – 90 Minuten


In der Wissenschaft findet eine Revolution statt. Ein echter Paradigmenwechsel. Während die herkömmliche Wissenschaft dem Materialismus verhaftet bleibt, unterstützt eine wachsende Gruppe von Wissenschaftlern ein neues Paradigma, das auf dem Primat des Bewusstseins basiert. Dr. Amit Goswami, Professor für Physik an der Universität von Oregon und Mitglied des "Institute of Theoretical Science", bekannt aus dem Erfolgsfilm "Bleep" und der Pionier dieser revolutionären neuen Perspektive, erläutert uns seine Vision des grenzenlosen Potentials des Bewusstseins als Grundlage allen Seins und wie diese Offenbarung uns helfen kann, ein besseres Leben zu führen. Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der uns mit einem Nachdruck und einer Bandbreite, wie wir sie seit Einstein nicht mehr gesehen haben, herausfordert, unsere Auffassung von Existenz und Realität zu überdenken.
Goswamis Arbeit enthüllt die allumfassende Einheit, die allen Weltreligionen und mystischen Traditionen innewohnt. Der Film schlägt Brücke zwischen dem "Göttlichen" und der Wissenschaft.

Der rote Sufi
Martin Weinhart - Deutschland 2010 - 58 Minuten


Ein Film von höchster Aktualität und Brisanz: Im Mittelpunkt steht die größte Pilgerfahrt Südasiens, die in Pakistan von der Mega City Lahore zum Grab des Sufi-Wunderheiligen Lal  Shahbas  Qalander (gestorben 1274) in den Ort Sehwan Sharif führt. An dieser religiösen Stätte treffen sich bis zu einer Million Pilger zu einem Großereignis mit Musik und Trancetanz. Diese rauschhaften Sufi-Feste werden in letzter Zeit aber immer stärker zu potentiellen und tatsächlichen Anschlagszielen für militante islamistische Attentäter, da diese solch individualistische und oft auch ekstatische Religiosität vehement ablehnen und bekämpfen. Der Filmemacher Martin Weinhart begab sich zusammen mit dem Leiter der Abteilung „Orient“ im Staatlichen Museum für Völkerkunde München,
Jürgen Wasim Frembgen, der sich seit Jahren intensiv mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Sufismus auseinandersetzt, auf diese Pilgerreise. Das Ergebnis ist ein faszinierender Einblick in einen hierzulande nahezu unbekannten Islam.


Das tibetanische Totenbuch
Komplett-Media – Deutschland  - 2005 – 118 Minuten


"Woher kommen wir, wohin gehen wir?" Eine Antwort auf diese ewige Frage der Menschheit gibt das Bardo Thötröl, das Tibetanische Totenbuch. Nach dem Glauben der tibetanischen Buddhisten durchläuft jedes Lebewesen, auch der Mensch, einen endlosen Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Jede Wiedergeburt ist mit Leiden verbunden: Geburt, Alter, Krankheit, Tod. Erst durch die Erleuchtung wird der Mensch aus diesem ewigen Kreislauf erlöst. Die Sutren des Tibetanischen Totenbuchs beschreiben die Wanderung der Seele zwischen dem Tod und der Wiedergeburt. Im Bardo Thötröl steht geschrieben, daß das Bewußtsein des Menschen nach dem Tod in den sogenannten Bardo-Zustand übergeht, aus dem es am 49.Tag wiedergeboren wird. Um das Bewußtsein, die Seele, sicher durch diesen Bardo-Zustand zu geleiten, wird ihm fortwährend aus dem Bardo Thötröl vorgetragen. Der Film versucht durch eindrucksvolle Aufnahmen und in zahlreichen Begegnungen mit im Himalaya lebenden tibetanischen Buddhisten die Herkunft und die Bedeutung des Tibetanischen Totenbuchs zu erklären. Darüber hinaus zeigt der Film am Beispiel eines Sterbenden, daß das Verständnis des Tibetanischen Totenbuchs auch in unserer westlichen Gesellschaft von großer Bedeutung sein kann. Sie Sutren des Tibetanischen Totenbuchs enthüllen die Geheimnisse des Lebens ebenso, wie die des Sterbens. Erst die Beschäftigung mit und die Vorbereitung auf den Tod lassen jeden Menschen das volle Potential seines Lebens ausschöpfen.
Pema Chadian, ein Lama im Himalaya und sein Schüler Tuptan, begleiten einen Toten auf seiner letzten Reise des irdischen Daseins. 49 Tage liegen zwischen Tod und Wiedergeburt. Während dieser Zeit lesen sie dem Verstorbenen aus dem Bardo Thötröl vor und erleichtern ihm so seinen Abschied aus dieser Welt und aus seinem materiellen Leib.
Dabei tauchen sie tief ein in die buddhistische Lehre des Mitgefühls und der Wahrhaftigkeit. Alle Menschen werden einmal mit dem Tod eines geliebten Menschen und ihrem eigenen Ableben konfrontiert. Diese Dokumentation kann ein hilfreicher Begleiter zum Unausweichlichen sein.


Exil  - Die, die uns verlassen haben, kommen stets zurück
Tony Gatlif – Deutschland – 2006 – 104 Minuten


Eines Tages macht Zano seiner Freundin Naïma den etwas seltsamen Vorschlag, von Paris über Spanien nach Algerien zu reisen, um endlich das Land kennen zu lernen, aus dem ihre Eltern vor Jahrzehnten fliehen mussten.
Mit der Musik als einzigem Gepäck machen sich die beiden jungen Leute auf den Weg. Von einer Begegnung zur anderen, vom Techno-Rhythmus bis zum Flamenco, reisen sie Stück für Stück den Weg zurück, den so viele aus der Elterngeneration ins Exil in den Norden angetreten hatten. Ganz benommen von der Freiheit, lassen sie sich eine Weile von der Sinnlichkeit Andalusiens berauschen, ehe sie das Mittelmeer überqueren. Eine Reise der Versöhnung mit anderen und schließlich mit sich selbst.
„Die, die uns verlassen haben, kommen stets zurück. - Dem Film liegt nicht eine besondere Idee zugrunde, sondern mein Verlangen, meine Wunden zu betrachten. Ich habe 43 Jahre gebraucht, um zum Land meiner Kindheit, Algerien, zurückzukehren. Fast 7.000 km auf der Straße, mit dem Zug, mit dem Auto, dem Boot und zu Fuß.
Was Exil angeht, musste ich so nah wie möglich an alles herangehen – egal ob es sich um Menschen, Tiere, Mineralien oder Pflanzen handelte. Ich wollte die physische Sinnlichkeit der Charaktere einfangen. Menschen, die einander entdecken oder voreinander flüchten, Körper, die sich kaum berühren oder aneinander hängen. Angespannte oder lustvolle Körper, schwitzende Körper, die ihre Haut und Narben bloßlegen. Charaktere, die sich in der Landschaft wiederfinden oder jenseits der Leinwand.

"Mast Qalandar"

Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf", Potsdam, in Koproduktion mit Till Passow und gop03 GmbH Filmproduktion, Berlin – Deutschland – 2008 – 30 Minuten
Der Anhänger des mystischen Islams und Heiliger der Sufi, Mast Qalandar predigte im 13. Jahrhundert im Süden Pakistans Liebe, Toleranz und Ekstase. Kommentarlos und ohne Wertung begleitet Till Passow in seiner Dokumentation muslimische Pilger auf ihrer Suche nach dem geistigen Rausch und der Erlösung, womit er dem Zuschauer einen Einblick in "eine fremde und verstörende Welt voller Euphorie und religiöser Hingabe, Glaube, Grenzüberschreitung und Gewalt" bietet.

Bal – Honig
Semih Kaplanoğlu – Türkei – 2010 – 104 Minuten


Der Film spielt im Oktober 2009. Der sechsjährige Yusuf wächst als Einzelkind bei seinem Vater Yakup, einem Bienenzüchter, und seiner Mutter Zehra in bescheidenen Verhältnissen in den Bergen Nordostanatoliens auf. Er ist gerade eingeschult worden und lernt Lesen und Schreiben. In seiner Freizeit begleitet er seinen Vater gerne tief in den geheimnisvollen Wald. Dort hängt Yakup seine Bienenkörbe mit Hilfe eines Seils in die obersten Wipfel der größten Bäume. Später klettert er in diese Bäume und erntet den schwarzen Waldhonig, für den die Region an der Schwarzmeerküste gerühmt wird. Mit einem Stock entnimmt er die Waben, trennt diese aus dem Rahmen und streicht die benebelten Bienen ab.
Yusuf verbindet eine schweigsame, enge Freundschaft mit seinem Vater, dem er zu Hause ohne Scheu laut vorliest. In der Dorfschule erhalten die Erstklässler für gutes Lesen einen roten Plastikanstecker. Im Unterricht scheut sich der Einzelgänger aber davor, laut vorzulesen. Yusuf fängt vor dem Lehrer und den Mitschülern stets an zu stottern und reibt sich dabei die Tränen aus seinem Gesicht. Die anderen Kinder lachen über ihn. Gleichzeitig hat Yusuf Angst davor, als einziger keinen Anstecker zu bekommen. Die Pausen verbringt er im Gegensatz zu den anderen Kindern allein im Klassenzimmer. Dennoch liebt Yusuf die Sprache und liest zu Hause auch ein Gedicht von Arthur Rimbaud vor, das ihn in der Schule fasziniert hat. Seine poetische Ader drückt sich auch in seiner Wissbegierde für die Natur aus.
Als Yusuf seinem Vater von einem Traum erzählt, warnt Yakup ihn, dass man seine Träume nur flüsternd und nicht jedem verraten dürfte. Als die Bienen die Gegend verlassen, ist Yakup gezwungen, in entlegeneren Gebirgsregionen nach Honig zu suchen. Nachdem sein Vater mit dem Esel aufgebrochen ist, stellt Yusuf das Sprechen gänzlich ein. Seine Verschlossenheit lässt Mutter Zehra, die auf den Teefeldern arbeitet, ratlos zurück. Als Yakup nach mehreren Tagen nicht zurückkommt, sorgen sich Yusuf und Zehra um ihn. Als die magische Nacht bevorsteht, in der die Ankunft des Propheten gefeiert wird, gibt Zehra ihren Sohn zur Großmutter ins Nachbardorf. In der Geschichte des Propheten glaubt Yusuf, seinen Vater wiederzuerkennen. Mutter und Sohn machen sich wiederholt auf die Suche nach dem verschwundenen Vater, ehe sie Tage später die Todesnachricht erhalten – Yakup ist beim Erklettern eines morschen Baumes ums Leben gekommen.

Le Grand voyage - "Die Grosse Reise"
Ismaël Ferroukhi – Frankreich/Marrokko – 2004 – 108 Minuten


Der junge Franzose Réda, Sohn marokkanischer Einwanderer, steht kurz vor dem Abitur, da verlangt sein Vater, dass er ihn auf der traditionellen Pilgerreise nach Mekka begleitet. Für den alten Mann kommt ein Flug nicht in Frage, weshalb Réda ihn im Auto chauffieren soll. Doch die tagelange erzwungene Nähe überfordert den gläubigen Muslim und seinen in Frankreich aufgewachsenen Sohn. Neben dem Generationenkonflikt reißt von Kilometer zu Kilometer der kulturelle Graben zwischen ihnen weiter auf. Der Vater, seit dreißig Jahren in Frankreich, hält nach wie vor an den muslimischen Traditionen fest und lehnt den westlichen Lebensstil seines Sohnes deutlich ab. Réda hat mit Religion und Tradition nichts am Hut und beobachtet die Handlungen des Vaters mit unverhohlener Skepsis. Schließlich führen verschiedene menschliche Begegnungen auf der Reise zur Wende in ihrer schwierigen Beziehung. Allmählich öffnen sich die beiden Männer und geben ihre starren Positionen auf. Über 5.000 Kilometer im Auto – quer durch den Balkan und den Nahen Osten– haben die beiden einander näher gebracht..

Bab  Aziz – Der Prinz der seine Seele betrachtete
Nacer Khemir – Tunesien – 2005 – 98 Minuten


Die kleine Ishtar (Maryam Hamid) und ihr Großvater Bab’Aziz (Parviz Shaminkou), ein blinder Derwisch, sind in der Wüste unterwegs, um jenen geheimen und kraftvollen Ort aufzuspüren, an dem die große Zusammenkunft der islamischen Mystiker zelebriert werden soll, die nur ein Mal in 30 Jahren anberaumt wird. Für Bab’Aziz ist die Zeit gekommen, die wenigen irdischen Bande zu lösen, die ihn noch in diesem Dasein halten, und er verabschiedet sich während dieser magischen Reise auf ganz besondere Weise von seiner Enkelin: Er gibt die Gabe und Macht von Narrationen an das Mädchen weiter, indem er ihm Geschichten erzählt, die weitere gebären, und auf diese Art gibt er Funken seiner Weisheit und Fabulierkunst an seine Schülerin weiter, auf dass sie sich daran erwärme und tröste. Doch auch die märchenhaft anmutenden Gestalten, die ihnen in der schwindelnden Weite der Wüste begegnen, bergen Geschichte um Geschichte, von Wünschen und Sehnsüchten, Wegen und Irrfahrten, von denen sogar der Tanz des Windes zu flüstern scheint ...
Bab‘Aziz – Der Tanz des Windes / Bab‘Aziz ist ein Märchen mit großartigen und prächtigen Bildern, sowohl visuell als auch sprachlich. Die warm und fröhlich gestaltete Geschichte beherbergt einige Elemente aus der Gedankenwelt des Sufismus, der islamischen Mystik, die kombiniert mit den existentiellen Aspekten in den Erzählungen wie wunderschön umgesetzte, religiös-philosophische Betrachtungen über das Motiv der Suche im Leben eines Menschen erscheinen. Zudem ist der Film formal wie inhaltlich ein ebenso emphatisches wie charmantes Plädoyer für die Stärke von Narrationen, die sich wie heilendes Balsam auf die Wunden der Seele legen können, wie bei König Schehrijar, den die Erzählungen der Scherezade in Tausendundeiner Nacht seine brutale Krise überwinden und wieder zu einem frohen Menschen werden ließen. Der Erzähler und Filmemacher Nacer Khemir fordert sein Publikum mit Bab‘Aziz – Der Tanz des Windes / Bab’Aziz auf, sich von Geschichten berühren und bewegen zu lassen und auf ihre inhärente Kraft zu vertrauen – einen zauberhaften Spielfilm lang und darüber hinaus.

Epos  Dei
NuoViso – Deutschland – 2010 – 60 Minuten

Im 21. Jahrhundert angekommen, steht der Mensch vor gewaltigen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Immer knapper werdende Ressourcen bei steigenden Bedarf machen ein friedliches Zusammenleben auf dem Planeten Erde immer schwieriger.
Das Paradigma der Wissenschaft lautet seit jeher, dass es eine vom Beobachter unabhängige Realität gibt. Das Doppelspaltexperiment sagt aber etwas anderes. Je nachdem, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten, formt sich daraus die Materie und somit unsere gesamte Welt. Diese fundamentalen Prinzipien des Universums wurden bereits in den Mysterienschulen des alten Ägypten unterrichtet. Griechische Gelehrte brachten das dort erworbene Wissen mit nach Europa und begründeten damit die modernen Naturwissenschaften. Doch heute scheint ein Großteil von diesen ursprünglichen Kenntnissen in Vergessenheit geraten zu sein.
Ist die Welt durch Zufall entstanden? Was war der Zweck der großen Pyramiden von Gizeh? Gibt es Freie Energie? Wohin führt Evolution und was will die Schöpfung überhaupt von uns? Gibt es eine geheime Ordnung hinter den Dingen? Wie sieht diese aus – und wer oder was gibt sie vor?
In Epos Dei begibt sich Frank Höfer auf eine Spurensuche nach einem Jahrtausende alten Wissen, welches uns vielleicht Antworten auf unsere gegenwärtigen Fragen geben könnte. Dabei offenbaren sich universelle Gesetzmäßigkeiten, die unsere Vorstellungen von Mathematik, Physik und Biologie sprengen.
Mit Prof. Dr. Claus W. Turtur, Axel Klitzke, Alexander Lauterwasser, Hartmut Warm und Dieter Broers und dem Mondastronauten Edgar Mitchell.

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Francois Dupeyrons – Frankreich -  2003 – 94 Minuten


Der dreizehnjährige Moses (Pierre Boulanger) lebt mit seinem verbitterten Vater zusammen und führt ein ziemlich freudloses Leben. Da die Mutter mit dem älteren Bruder die Familie verlassen hat, versucht Moses sich um den Haushalt und um seinen Vater zu kümmern. Dieser bringt dem Jungen jedoch nur Unverständnis entgegen. Die vom Vater versagte Liebe holt sich der pubertierende Knabe zunächst bei den Mädchen, die auf der Straße vor seinem Fenster ihre Dienste anbieten. Damit er sich diese kleinen Freuden leisten kann, beginnt er im gegenüberliegenden Lebensmittelladen zu stehlen. Hier trifft er auf den „Araber" Monsieur Ibrahim (Omar Sharif), den Inhaber des Geschäftes. Ihm bleibt die Trauer des Knaben, den er liebevoll Momo nennt, nicht verborgen. Langsam gewinnt der sensible alte Mann das Vertrauen des Jungen und bringt ihm seine Lebensweisheit näher, die er als Sufi aus den Lehren des Koran zieht. In Ibrahim findet Momo schließlich den ersehnten Freund, Vater und Lehrer, der ihn davon überzeugt, dass jedes Leben mit Freude zu füllen ist. Ibrahim eröffnet mit seiner Toleranz und Menschlichkeit dem Jungen eine neue, fröhlichere Welt und lehrt ihn sich an den kleinen Begebenheiten des Alltags zu freuen.
Kernaussage des Films: Der Schlüssel zum Glück geht über Selbstvertrauen und schon mit einem Lächeln, dem Geheimnis des Glücks, sei alles im Leben einfacher zu meistern.
Dieser nachdenklich stimmende, harmonische Film mit vielen amüsanten und melancholischen Momenten ruft zu Toleranz und einer optimistischen Lebenseinstellung auf. Sein Gelingen verdankt er der großartigen schauspielerischen Leistung beider Hauptdarsteller. Omar Sharif scheint die Rolle des türkischen Lebensmittelverkäufes auf den Leib geschrieben zu sein. Glaubhaft mimt er den lebensweisen alten Mann, aus dessen Augen Güte und Herzenswärme sprechen.

Glaubenwege - Sufismus - Eine Reise nach Konya
Jochen Richter – Deutschland – 2006 – 43 Minuten


Murat Coskun ist ein weltweit geschätzter, mit Preisen ausgezeichneter Percussionist, dessen Hauptinstrument die arabische Rahmentrommel ist.Dieser Film begleitet den Musiker, der mit seiner deutschen Familie in Freiburg lebt, nach Marrakesch, Istanbul und Konya, bis in das Heimatdorf seiner Eltern im südtürkischen Taurusgebirge.

Es ist eine Reise in die Welt der sakralen, islamischen Musik - in das Herz des Islam: den Sufismus - dieses mystische Glaubensbekenntnis innerhalb des Islam - und damit eine Reise in die Welt der religiösen Ekstase, in die Welt der tanzenden Derwische.Murat nutzt die Pause zwischen zwei Tournee-Terminen, um der Musik des Sufismus in ihrer authentischen Landschaft - der Wüste - nachzuspüren. Er wird sich dort mit Sufi-Musikern treffen, um die religiöse Dimension dieser Musik erneut zu erfahren. In der Begegnung Murats mit dem Sufismus nähert sich dieser Film der Geschichte des Islam an, dieser dritten monotheistischen Religion.Während die Mystik des Sufismus von den Orthodoxen Klerikern als unpolitische Esoterik abgetan wird, berufen sich die Sufis ihrerseits auf die Visionen und ekstatischen Erfahrungen des Propheten.

Das wichtigste Ziel aller sufistischen Pilger ist das Grab des berühmten islamischen Philosophen und Dichters Jalaluddin Rumi in Konya, der Hauptstadt der faszinierenden Karstkegel-Landschaft Kappadokiens, mit ihren Höhlenstädten im Herzen der Türkei.Rumi erhob im 13. Jh. Musik und Tanz und die dadurch erfahrbare Ekstase zum tiefsten Ausdruck der Liebe und Hingabe an Gott.

Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad
Georg Misch – Österreich – 2008 – 96 Minuten


In den 1920er Jahren besucht der österreichische Jude Leopold Weiss Palästina und tritt wenige Jahre später zum Islam über. Er nimmt den Namen Muhammad Asad an und reist, fasziniert von der Spiritualität dieser Religion, auf einem Kamel durch die Wüste nach Mekka. Er studiert den Koran und lebt als Berater am Hof des Saudischen Königs. Nachdem er sich mit den Arabern überwirft, reist er nach Indien, wo er sich der Bewegung zur Gründung des pakistanischen Staats anschließt. Die Verfassung Pakistans stammt zum Teil aus seiner Feder, und er vertritt den jungen Staat bei den Vereinten Nationen in New York. Und damit ist Muhammad Asad noch lange nicht am Ende seines Weges angekommen. Noch heute gilt Muhammad Asad als einer der bedeutendsten islamischen Autoren seiner Zeit und seine Koran-Übersetzung als richtungsweisend.