Im Mittelpunkt des Sufismus steht die persönliche Gotteserfahrung. Im Gegensatz zum Propheten bringt der Sufi-Heilige kein allgemeingültiges Gesetz. Sufismus ist keine Religion. Sondern es geht, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, um die persönliche Gotteserfahrung. Bei Hazrat Inayat Khan heißt es, dass es eigentlich nur eine große Sünde und nur einen wirklichen Verdienst gibt: der Verdienst ist es, bei jedem Atemzug Gottes bewusst zu sein und die Sünde, Gottes nicht bewusst zu sein. Der Sufi wendet sich Gott zu und macht Ihn zu einer Realität.

Als Methode zur Versenkung benutzen viele Sufi-Schulen Musik, Tanz und Meditation. Der Sufi versucht sich dabei Gottes zu erinnern, und sich selbst zu vergessen. Denn solange man sich seines konstruierten, limitierten und daher vergänglichen Selbst bewusst ist, kann man sein wirkliches, göttliches und daher unvergängliches Selbst nicht finden. Der Sufi sieht hinter allen Erscheinungsformen den Willen Gottes. Deshalb ist der Weg des Sufis, der Weg des absoluten Gottvertrauens. Auch in schwierigen Lebenssituationen weiß er, dass er in Gott einen treuen Freund hat. So heißt es im Koran (2/257): Gott ist der Freund der Gläubigen. Er führt sie aus den Finsternissen ans Licht.